Galeria Cuadro22










Instant Gratification

NADIA LEONHARD
JUAN MANUEL SALAS

8. Juni bis 24. August 2019

Die Bündner Künstlerin Nadia Leonhard und der mexikanischen Künstler Juan Manuel Salas setzen sich in der aktuellen Ausstellung im Cuadro22 mit Instant Gratification und permanentem Informationsfluss auseinander.

Die Materialität, die Erscheinung der sofortigen Befriedigung und das Verlangen danach: Damit beschäftigt sich Nadia Leonhard, die in Performance und Videokunst zuhause ist.Juan Manuel Salas befasst sich mit der Frage nach der Unmittelbarkeit hinter dem Visuellen, dem Verborgenen hinter dem Bild und den Spannungen innerhalb der Malerei.

Vernissage mit Performance:
8. Juni 2019 - ab 20 Uhr

Sommerpause:
Monat Juli nur nach Vereinbarung

Finissage:
24. August - 19 Uhr






Instant Gratification

 

In unserer Zeit scheint eine sofortige Befriedigung eine zwingende Bedingung zu sein, aber was braucht es, um einem Objekt oder einer Erfahrung, etwas Sofortiges zurückzugeben? Eine der Prämissen des Kapitalismus ist es, jegliche Andeutung von Arbeitskraft und Gewalt vor den von ihm erzeugten Produkten zu verbergen, genauso wie man beim Betreten eines Museums oder einer Kunstgalerie keine Spur finden sollte, wie diese monumentalen Objekte dahin gelangt sind, lassen sie uns glauben, dass alles, was sich dort befindet, schon immer dort war.

 

Für diese Ausstellung beginnen wir mit einigen Fragen zur Malerei, den inneren Spannungen zwischen ihrer Mehrdeutigkeit, der Beziehung zum Kapitalismus und ihrer Erzeugung von Bildern.

 

Für einige Kunstkritiker war Malerei schon immer ein

fetischistischer Trost, der der Bourgeoisie verdächtig nahestand. Für andere handelt es sich um einen negativen Raum, ein sensibles Objekt, das in seiner Sinnlosigkeit einen gewissen Widerstand gegen diese Welt bietet, die verdammt ist,

dass alles unvermeidbar einen Nutzen haben muss.

 

Ist das Gemälde also nicht eine seltsame Oberfläche,

die Angst erzeugt? Ist das Malen ein Mittel, um zu verstecken oder um zu enthüllen? Wie viel natürliche und soziale Energie brauchen Bilder, um unsere Augen zu erreichen? Wie kann man Krieg in Bequemlichkeit verwandeln? Wie kann man die Energie der Malerei abschwächen? Wie macht man die Macht von Objekten sichtbar?

 


 
Move without knowing the moves 

(sich bewegen, ohne die Bewegung zu kennen)

 

Video dokumentierte Performance, 5:58 Min, Nadia Leonhard


Ich erlaube meinem Körper zu tun, was er tun muss. Er reagiert auf innere Impulse und Aussenreize, handelt spontan und ohne Erwägung naheliegender Konsequenzen. Durch den Kontrollverlust tritt die Befriedigung ein. Wie verläuft die Bewegung, wenn nicht das Wissen über normative Bewegung, sondern das unmittelbare Verlangen vorhanden ist?

 

 

Bubble wrap appreciation

(Die Würdigung der Luftpolsterfolie)

 

Interaktive Installation, Nadia Leonhard

 

Meine Fingerbeere versinkt im weichen Plastik. Ich baue den Druck schnell genug auf, damit die Blase knallt und sich nicht nur einfach ausdehnt. Die Luft ist draussen, ich spüre meinen Finger von der Gegenseite. Ihr spürt eure Finger höchstens an einer Fernbedienung welche das Instrument steuert, welches wiederum den Knall auslöst. Die haptische Erfahrung wird euch verwehrt. Übrigens, die Luftpolsterfolie ist so beliebt, dass sie seit 2001 in den USA jährlich am letzten Montag des Januars geehrt wird.



Irrelevance of instant gratification

(Die Irrelevanz der sofortigen Befriedigung)

 

Videoprojektion einer Performance auf Bett, 68:35 Min, Nadia Leonhard

 

Prokrastination könnte der Versuch sein, die Zeit zu manipulieren, indem ich Aktivitäten von einer konkreten Gegenwart in eine abstrakte Zukunft verschiebe. Vielleicht verschiebe ich, weil ich überfordert bin oder nicht zur Ruhe komme. Und wenn ich dann mal zur Ruhe kommen könnte nutze ich die Zeit, um Informationen aufzufassen oder meine Lippen für jeweils zwei Minuten aufgedunsen aussehen zu lassen. Möglicherweise ist das Tun des Vergeblichen und Sinnlosen der Stillstand in der Flut der unbeschränkten Möglichkeiten.

 


 

Prevention of fear of missing out (Vorbeugung der Angst, etwas zu verpassen)

 

Performance mit Liveübertragung am Vernissageabend, Nadia Leonhard

 

„Das, was ich sehe, siehst du live übertragen vor dir. Ich bin dein Instrument. Führe mich, indem du in das Mikro sprichst. Die einzige Handlung, die ich auf deinen Befehl ausführe, ist ein Positions- oder Perspektivenwechsel.“

 

Das Phänomen der Angst, etwas zu verpassen, beschreibt die zwanghafte Sorge, sich ein anderes befriedigendes Ereignis entgehen zu lassen. Dieses Gefühl geht besonders mit modernen Technologien einher. Die eigene Realität wird mit einer imaginierten Realität verglichen und es entsteht das Gefühl des Bedauerns. Dieses Gefühl wird stärker, je näher das angestrebte Ereignis ist. Eine Liveübertragung versucht, dieses Bedürfnis, an einem anderen Ort sein zu wollen, zu befriedigen.