Galeria Cuadro22












07.11.20 bis 07.12.20  


CORPOREALITY:

When can a body be said to exist?

 


Anna Stüdeli

Cynthia Schemidt

Isabell Bullerschen

Nina Emge
Ser Serpas




Kuratiert von 


Jamira Estrada

Antonia Truninger

Julia Hegi



Mit dem Ausstellungsprojekt „Corporeality: When can a body be said to exist?“ im Cuadro22 wollen wir Fragestellungen, Themen und persönliche Geschichten rund um die vielschichtige Thematik der Körperlichkeit aufgreifen. In einer Zeit der Digitalisierung und der Flucht in virtuelle Welten soll den kapitalistischen Drängen und jener implizierten Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft entgegengetreten werden, um sogleich den Fokus auf das Physische – das, was direkt vor uns liegt – zurückzuführen. Dies scheint uns heute näher als je zuvor. Denn während langer Isolation sind wir zur Reflexion gezwungen – der Blick auf den eigenen Körper und das Selbst ist unumgänglich.

Wir (Jamira Estrada, Antonia Truninger und Julia Hegi) sind eine Gruppe junger Frauen, die sich gemeinsam unkommerziellen Projekten widmen. Uns verbindet ein grosses Interesse an philosophischen Fragen sowie die kritische und theoretische Auseinandersetzung mit ebendiesen. 

Wir laden fünf junge Künstlerinnen ein, in einer Gruppenausstellung ihren persönlichen Zugang zur körperlichen Wahrnehmung mit Besu- cherInnen zu teilen: Anna Stüdeli (*1990, Solothurn), Cynthia Schemidt (*1990, Winterthur), Isabelle Bullerschen (*1985 Simmern/ Zürich), Nina Emge (*1999 Zürich) und Ser Serpas (*1995, Los Angeles | Genf).

Im Rahmen der Ausstellung wird von Nina Emge (*1995, Zürich) ein Workshop für Kinder zum Thema “Aktives Zuhören” angeboten. Zu- dem soll es ein Performanceabend geben mit einer audio-visuellen Performance von Olaf Yarce (*1982, Taumalipas, Mexiko I Berlin | Zürich ) und einer Performance von Jamira Estrada (*1998, Chur) und Florian Schlessmann (*1999, Augsburg | Zürich | Genf).


THEMATISCHER RAHMEN

CORPOREALITY: When can a body be said to exist?

Der philosophische Diskurs zur Wahrnehmungstheorie studiert die Ontologie und Natur des Geistes – dem Selbst – und dessen Beziehung zum Körper. Sinngemäss fragt Paul B. Preciado: “When can a body be said to exist? What counts as a body? Can a body be someone’s property? What if it is someone’s property but the owner and the suppo- sed body’s subject do not coincide? (...) Is a body made of flesh and bones? But then what are flesh and bones made of? And what if images, and sounds: Who can be accounted as the owner of these? Can those signs, those images, those sounds be mine even if my body isn’t? Can they exist even if my body doesn’t? Can existence be redu- ced to property? On the contrary, if existence is everything that exceeds property, when can a body be said to exist?” (Paul B. Preciado, My body doesn’t exist)

Ununterbrochen informieren uns innere Rezeptoren über die Position unserer Gliedmassen, das Gleichgewicht unseres Körpers oder seinen physiologischen Zustand an sich. Auf sensorischer Ebene sind wir einem kontinuierlichen Informationsfluss ausgesetzt – wir sind uns der Präsenz des eigenen Körpers immer bewusst.

Der topografische Körper: Körper als Ort, Materie und Hülle.

Als ausgestelltes Objekt im Raum wird der eigene Körper zu anderen Körpern in Bezug gesetzt. Der Körper als Subjekt hingegen wird zum abtastenden Instrument. Im unmittelbaren Nebeneinander interagieren Körper und Umwelt, wobei wir diese nur über die Sinne erkennen. So wird unser Weltbild von körperlicher Wahrnehmung beziehungsweise ihrem Objekt konstituiert. Die sensuelle Erfahrung des eigenen Körpers definiert auch ein Gefühl des Selbst, welches sich schlussendlich im öffentlichen, sozialen Körper zum objektivierten oder idealen Selbst entwickelt.