FLURINA SOKOLL | "Still bestäubt"

FLURINA SOKOLL

"Still bestäubt"
Vernissage und Ausstellung

bis am 30. September | 
  
Flurina Sokoll zeigt in ihrer Solo-Show im Cuadro22 Arrangements,
Gebilde und Gestalten, die als Lichtkörper dienen. Diese setzen dabei das Schattenspiel
als zentrales kompositorisches Element in Szene. Wie in allen ihren vorangehenden Werken
arbeitet Flurina Sokoll mit einer Sammlung von gefundenen Alltagsgegenständen.
Das Publikum ist eingeladen lesend an der Schau teilzunehmen – lesend in den Erinnerungen,
die aus dem Gestaltungsprozess nachklingen. Die Künstlerin hat sie als Dialog und Assoziationen notiert.
Als Wortmotiv zieht sich dabei „Staub“ durch den Text. 

Die Ausstellung ist jeweils Do & Fr 14-18.30 Uhr | Sa 10-16 Uhr göffnet



Foto: F. Sokoll, Bermuda Studio | Arrangement in Begleitung von Katze Shadow


FLURINA SOKOLL

Flurina Sokoll (*1986 in Chur, CH) lebt und arbeitet in Bermuda. Sie studiert von 2012 bis 2015 bildende Kunst an der Hochschule der Künste Bern. Von 2016 bis 2018 ist sie an der Slade School of Fine Art, University College London und schliesst das Studium mit Auszeichnung ab. Sie nahm an mehreren Gruppenausstellungen in Bermuda und Europa teil, unter anderem an der Bermuda Biennale 2020 Let me tell you something in der Bermuda National Gallery. Sie erhielt den Kunstpreis des Bündner Kunstvereins 2019 in der Schweiz, der mit einer Buchpublikation beim Verlag Edizioni Periferia und einer Einzelausstellung während der Jahresausstellung im Bündner Kunstmuseum Chur verbunden ist. 2021 stellt Sie in einer Duoshow A pear to a peer im Grand Palais Bern im Rahmen von Connected Space aus. 2020 nimmt Sie an der Regionale 21 teil und zeigt Arbeiten im Kunsthaus Baselland und La Kunsthalle Mulhouse (FR). Zudem ist sie im Sommer 2020 Artist in Residence in Kunst entsteht… im Vögele Kulturzentrum. 2019 wird für das Stipendium Vordemberge-Gildewart nominiert, was mit einer Gruppenausstellung in der Alten Fabrik in Rapperswil einhergeht. Bereits während ihres Studiums in Bern nimmt die Künstlerin an Ausstellungen teil wie It White im Kulturesk Projektraum oder The Reeboom in der Galerie DuflonRacz. Während sie in London studiert, beteiligt sich Flurina Sokoll an Ausstellungen wie Black & White Issue in The Crypt Gallery, Waste Not, Want Not im Kunstraum Room. oder As It Stands Unrefined Muted Abandoned in der Hundred Years Gallery. Zwischen 2017 und 2018 nimmt die Künstlerin zweimal an der Jahresausstellung der Bündner Künstlerinnen und Künstler im Bündner Kunstmuseum teil und präsentiert eine Arbeit in The Act of Homemaking – Claiming Space in der Produzentengalerie Dada Post in Berlin, sowie der Artist Run Gallery in London. Sie ist 2018 für den Adrian Carruthers Award nominiert und gewinnt den Slade Prize.



FLURINA SOKOLL

"still bestäubt"

9. bis 30 September 2022, CUADRO22

 

Vorgehensweisen

Ob durch Schicksal, Reaktion, Intuition, Nachgiebigkeit, Beiläufigkeit, räumliche Zwänge und Zeitrahmen oder einfach durch eine Verkettung all der genannten Optionen, betten manche Künstler ihr eigenes "savoir-faire" in die Umstände ein, mit denen sie beim Kunstmachen konfrontiert werden und machen dies zum Markenzeichen ihrer künstlerischen Produktion.

Sobald ein Künstler oder eine Künstlerin die Bedingungen der Kunstproduktion und des Ausstellens zu einem Teil seiner Arbeitsmaterialien und Produktionsquellen macht, sind es Gesten, Verschiebungen und Entscheidungen, die die plausiblen Bedeutungen der Objekte, Interventionen, Assemblagen, Skulpturen, Collagen, Zeichnungen und Situationen bestimmen, denen ein Besucher in einem Ausstellungsraum begegnen kann, in dem die Kunst dieser Art von Künstler:innen ausgestellt wird.

Die daraus resultierenden Kunstwerke sind also nicht nur etwas zum Anschauen, sondern manchmal gelingt es den unter diesen Umständen produzierten Objekten schließlich, von Dingen zu zeugen, die dem Künstler lieb, vertraut und bedeutungsvoll sind, ohne dass die Dinge an sich, auf die sie sich beziehen oder für die sie durch ihre Praxis Raum schaffen wollen, explizit oder unmittelbar genannt werden.

Meistens jedoch sind die Kunstwerke, die unter solchen Umständen und aufgrund der halbbewussten Absichten, denen die Künstler unterworfen sind, in unser Reich gelangen, am Ende nur Zeugnis dieser Absichten und rufen sie hervor.

Es liegt in der Natur unserer Sprache, sich an Dinge zu erinnern, die rigoros sind: Man verweilt in der Vergangenheitsform, wenn man sich an etwas erinnert. Alles, was zwischen der Feierlichkeit der Geschichte und der Banalität des Alltags liegt, hat bereits stattgefunden, und obwohl man sich an historische Ereignisse und das gestrige Mittagessen erinnern kann, muss die Lücke zwischen der Kontinuität unserer Gegenwart und den Dingen, auf die man sich bezieht, durch die Grammatik dieser Sprache markiert werden. Wie kann man der Tatsache entkommen, dass die Welt selbst vor uns flieht?

Ein ehrlicher Versuch ist es, Kunst zu machen, die aus Gesten, Absichten und Erinnerungen besteht, damit sie in den Dingen, die diese Künstler produziert haben, innewohnen kann.

Und wenn diese Kunstwerke einem öffentlichen Publikum vorgestellt werden, dann nicht, um sie zu prüfen, und auch nicht in der Absicht, die Betrachter dieser Kunst zu belehren und zu erziehen, sondern um die Verfahren zu teilen, die diese Künstler gemacht und nicht gemacht haben, denen sie sich verschrieben haben und um zu zeigen, wie gut ihr Werk die Sehnsucht nach einer Kommunikation trägt, die tiefer liegt als nur ein Blick in die Dinge.

Flurina Sokoll gehört mit den Skulpturen und Collagen, die sie für ihre Ausstellung im Cuadro22 in Chur (Schweiz) vorbereitet und zur Verfügung gestellt hat, zu der Art Künstlerinnen, die ihrem Publikum ihre persönlichen Gesten und intimen Absichten anbietet.

 

Raul Lima, September 22

 

 

 

FLURINA SOKOLL

`still bestäubt `

 September 9th untill 30ieth 2022, CUADRO22

 

Procedures

Whether by fate, reaction, intuition, compliance, casualness, spatial constraints and time frames, or simply by a concatenation of all the aforementioned options, some artists embed their own savoir-faire to any of the circumstances they would face when making art, making this into trademark of their artistic production.

Once an artist makes the conditions of art production and exhibition making part of their working materials and production sources, it is gestures, shifts and decisions that determine the plausible meanings of the objects, interventions, assemblages, sculptures, collages, drawings and situations any visitor may encounter in an exhibition space housing the art made by this type of artists.

The resulting artworks are thus not just something to gaze at, but sometimes the objects produced under those circumstances ultimately manage to bear witness of things dear, intimate and meaningful to the artist, without much explicitness or an immediate citing of the things per se they would be referring to or trying to make room for through their practice.

More often than not, however, the artworks that came into our realm under such circumstances and due to those semi-conscious intentions that artists are submitted to, they end up only attesting those intentions and evoking them.
The nature of our language for remembering things is rigurous: One dwells in past tenses when one is recalling something. Anything within the solemnity of history and the banality of the everyday has already taken place, and although one can remember historic events and what one had for lunch yesterday, the gap in between the continuity of our present and the things being referred to needs to be marked by the grammar of this language. How to escape from the fact that the world itself is escaping from us?

One honest try is to make art that consists of gestures, intentions and memories so they may reside in the things these artists have produced.
And once these artworks are brought out to a public audience, it is not for their scrutiny nor with the fervient intention to lecture and educate any viewer of these art, but to share the procedures these artists have made, unmade, committed to and how well their oeuvre carries that yearning for a communication deeper than a glance into things.

The sculptures and collages that Flurina Sokoll has prepared and made available for her exhibition at Cuadro22 in Chur, Switzerland, inscribes her into the type of artists that proceed in the way of gestures and intimate intentions offered to their audience.

 

 

Raul Lima, September 22